Den Sommer über war ich sehr aktiv auf den Online-MTT Tischen. Angetrieben und gecoached von Alex und Jefri veränderte ich meine Spiel – und Denkweise praktisch über Nacht.
Aus einem typischen TAG wurde so, von einem auf den anderen Tag, ein LAG. Plötzliche Veränderungen laufen fast nie perfekt ab. So geschah es auch, dass es einige Zeit dauerte mich der neuen Spielweise anzupassen. Und zwar so, dass ich sie auch gewinnbringend spielen kann.
Der Anfang war irrsinig schwer. Ich war viel zu loose und aggressiv, vergaß auf wesentliche Elemte wie Equity und Pot Control und ließ mich im Endeffekt dadurch viel zu leicht stacken. Ewig schade um die deepen Turniere, die ich so leichtfertig in den Sand setzte.
Mittlerweile hab ich den LAG allerdings so angepasst, dass er gefährlich ist für meine derzeitigen Gegner, sehr gefährlich sogar. Ich erkenne die richtigen Spots, kann meine Kontrahenten gut einschätzen und weiß ziemlich genau wo ich im Verlauf einer Hand stehe. Das interessante daran ist, dass ich hierzu Mittel und Konzepte verwende, die noch vor kurzer Zeit so grundfalsch erschienen.
Noch vor einem halben Jahr dachte ich genügend im Bereich der Turnierstrategie zu wissen. Ich glaubte mir soviel Wissen angeeignet zu haben, dass ich gar nicht mehr viel dazulernen kann. Ich hatte mich da aber ganz bitter getäuscht. Es ist beinahe amüsant heute an diese Zeit zu denken und zu realisieren wie naiv ich zum Teil gewesen bin. Jetzt weiß ich es besser. Man kann gar nie genug wissen. Das Spiel verändert sich so rapide und radikal. Noch vor 2 Jahren mag es gut gewesen sein KK zu limpen und eine 3Bet (egal von wo) bedeutete sowieso automatisch ein Premium-Paar.
Wenn man heute auf den Turniertischen Geld verdienen will muss man sich einfach anpassen, auf jede einzelne Situation und die verschiedensten Gegner.
Wer weiss, vielleicht wird das Spiel ja irgendwann zu loose und es wird wieder profitabel sehr tight zu spielen. Man wird sehen in welche Richtung sich das Spiel verändern wird in der nächsten Zeit.
Derzeit ist meine Spielweise des LAG keinesweges ausgereift. Postflop hab ich noch große Leaks, die ich mit dem Durchsehen von Hand Histories, Schauen von Lehr-Videos und Zerlegen einzelner Hände mit ausgewählten Personen, zu beseitigen versuche. Ich merke, dass ich mit jeder gespielten bzw. beobachteten Hand besser werde und das ist das wichtigste. Das gibt großes Selbstvertrauen und die gibt die nötige Grundlage erfolgreich zu sein. Allerdings merke ich, dass ich noch schlechter mit horrenden Down-Swings fertig werde bzw. sie noch weniger verkrafte. Ich werde mich bemühen mich auch in diesem Bereich zu verbessern, denke aber, dass dies wohl eine sehr große Herausforderung darstellt aufgrund meiner Persönlichkeit. Ich bin nämlich nicht gerade ein guter Verlierer – ein fairer zwar, aber Niederlagen stecke ich sehr schlecht weg, besonders wenn sie mir unverdient erscheinen was in der Natur eines Bad Beats liegt.
Die Varianz wird mit dieser Spielweise nicht unbedingt kleiner. Im Gegenteil – sie wird größer! Eines Tages sagte Jefri zu mir: “Er hat einen zu großen ITM-Schnitt” (Anm.: Über einen anderen befreundeten Spieler) Diese Aussage ist bezeichnend. Ein Spieler ist nicht so erfolgreich, wie er es gern sein würde, weil er eine zu große In The Money-Quote hat. Eigentlich sollte ja gerade sie den Erfolg eines Spielers wiederspiegeln. Wenn man aber zwischen den Zeilen liest bzw denkt, weiß man worauf Jefri hinauswollte. Jener Spieler spielt in der Mid-Phase bzw Pre-Bubble Phase zu tight und sucht nicht die knappen Entscheidungen wie z.B 60/40-Situationen oder gar Coin-Flips. Er foldet sich stattdessen erstmal ins Geld und sein Turnier endet damit oft in den ersten Cash-Level. Jeder der sich mit dem Turnierspiel näher beschäftigt weiß aber, dass gerade dort sehr wenig Geld ausgeschüttet wird, im Vergleich zum Buy-in. Das große Geld macht man eben am Finaltisch und von diesem macht man auch seine Gewinne. Die Konsequenzen sind naturgemäß oftmals bittere Enttäuschungen kurz vor diesem großen Geld, deswegen die erhöhte Varianz.
Was sagt nun OPR über mein Turnierspiel:
Meine beiden Usernames: PDonfire auf Stars und Zarza10 auf FTP spucken folgende Statistiken aus:
Zarza10, Full Tilt Poker:
Turniere: 861, Prizes: 10.432 $, Profit: < 0 $, ROI: -1%, ABI: 12$, AFS: 533, ITM: 13%
PDonFire, Pokerstars:
Turniere: 1200, Prizes: 22.834 $, Profit: 27 $, ROI: 0%, ABI: 19$, AFS: 2059, ITM: 17%
Stand: 25. November
Erläuterung: ROI = Return of Investment, ABI = Average Buy-in, AFS = Average Field Size, ITM = In The Money
Winning Player bin ich damit nicht unbedingt, was aber auf den Umstieg auf den LAG zurückzuführen ist. Dieser “Übergang” hat mit Sicherheit einiges an Profit gekostet wie bereits erwähnt. Außerdem stimmen die Stars Statistiken nicht zu 100%. Für alle WCOOP Turniere sowie Majors die ich gespielt habe, habe ich mich per Steps qualifiziert, welche auf OPR nicht erfasst werden, weshalb unterm Strich dann doch ein kleines Bisschen (4-Stellig) auf der Habensseite steht.
Ich werde jedenfalls versuchen mein Spiel weiter zu bereichern und zu verbessern. Im Prinzip warte ich auf den ganz großen Wurf. Der kommt aber immer dann wenn man es am wenigsten erwartet
Fortsetzung der ultimativen Heisl-Challenge
Auch die Heads-Up Challenge gegen Max wurde fortgeführt. Gleich vorweg einmal der neue Stand: 30-25 für meine Wenigkeit.
Mit dem Ergebnis bin ich nicht unbedingt zufrieden, es ist knapper als ich es mir vorgestellt habe. Ich will an dieser Stelle meinen Gegner keinesfalls unter seinem Wert schlagen. Ich habe viel in mein HU-Spiel investiert in letzter Zeit und erwarte mir einfach ein klareres Ergebnis. Vielleicht kommt das ja noch auf der Zielgeraden. Auf jeden Fall gab es auch schlecht gespielte Hände und HUs von mir. Ich konnte jedenfalls schnell meine Fehler erkennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Vielleicht ist das ja mein Erfolgsrezept.
Gehen wir ein wenig ins Detail:
Seit dem letzten Update konnte ich schnell um ein paar HUs davonziehen und dieser Vorsprung hielt bis dato. Max ist nicht ganz einverstanden mit meiner Führung und führt sie großteils auf mein Glück zurück. Ich kann das von meiner Seite einfach nur als Realitätsverlust und Selbstüberschätzung hinstellen. Vor allem die letzte gespielte Session war etwas crazy und unkonventionell. Ich merkte das Max seine Spielweise sehr gut auf meine abgerichtet hatte und durchaus ebenbürtig war, woraufhin ich absichtlich verrückte Sachen gemacht habe. Ich überspielte Hände völlig, spielte generell viele Bluffs (und zeigte ihm auch jeden davon), wählte ungewöhnliche Bet-Sizes und verrückte Lines. All das um ihn abzulenken und ihn zu Fehlern in folgenden HUs zu zwingen. Dieser Plan ging auch sehr gut auf und ich nützte seine Fehler eiskalt.
Auf eine Hand möchte ich besonders eingehen. Nicht eine Hand die ich besonders gut gespielt habe oder dergleichen, sondern eine, die Max zu gern herumerzählt als Beispiel für mein großes Glück.
Blinds sind 100/200 und wir haben beide Even Stacks (10k). Ich befinde mich am BU und raise auf 400 woraufhin ich mir eine 3Bet auf 1150 einfange. Mit J3s entschied ich mich zu callen und floppte sofort den Drilling auf dem Board T 3 3. Max checkt, ich bette 1450 und Max geht all-in. Der obligatorische Call lies nicht lange auf sich warten. Mein Drilling hielt gegen sein AQo stand und ich gewann das HU.
Trocken betrachtet habe ich wohl großes Glück gehabt. Wenn man sich aber ein Wenig mit meinen Gedanken befasst, kann man doch erkennen. dass mehr hinter dieser Hand steckt, als einfach nur unverschämtes Glück.
Fangen wir nochmal an:
Mit J3s am Button raise auf 400. Im HU min-raise ich prinzipiell 90% meiner Hände, den Rest folde ich. Somit kann ich ständigen Druck erzeugen, meine Hände werden Preflop unlesbar, weil ich sowohl Asse als auch J3s minraise. Der allergrößte Vorteil ist aber, dass in jeder Hand, die ich in Position spiele, der Pot größer ist als wenn mein Gegner den großen Vorteil besitzt. Position im HU ist das Um und Auf. Es gibt für mich kein wichtigeres Element.
Dieses Spiel funktioniert nur wenn der Kontrahent auch “mitspielt”. Er muss oft genug folden auf den minraise und er darf nicht zu oft 3betten, ansonsten passiert es, dass man zu große Pots mit marginalen Händen spielt, wie etwa auch in oben beschriebener Hand.
Max nochmalige Erhöhung auf meinen Min-Raise muss nichts heißen. In diesem Heads-Up hat er schon 3-4 Mal den Hammer ausgepackt, woraufhin ich meine sehr marginalen Hände gefoldet habe. Ich kann aber nicht jedesmal folden, nur weil mein Gegner anscheinend sich optimal auf mich eingestellt hat. Ich habe ja noch immer den großen Vorteil der Position, also entschied ich mich zu callen, natürlich mit der Absicht zu sehen was er PostFlop macht, denn es muss ja nicht unbedingt sein, dass er zwingend eine starke Hand hält.
Es kommt der Flop T33.
Max checkt. Hier wusste ich das Max gar nichts hat. Seine Line ist viel zu verräterisch. Seine 3Bet Preflop passt nicht zum Check. Die Conti-Bet hier ist fast zwingend. Jedes Paar, ob Premium oder Medium, hätte hier wohl angespielt. Das Board ist absolut nicht scary, also warum checkte er. Ich entschied mich den Drilling sofort anzuspielen und Max check-Raised mich sofort all-in.
Gehen wir seine Line durch. Er 3bettet meinen x-ten Minimum-Raise, checkt diesen Flop und raised mich all-in auf eine kleine Bet. Wieviele Hände fallen euch ein, die so spielen und stark sein sollen?
Mir ist auch keine eingefallen. Nun dies ist auch nicht unbedingt wichtig da er meinen Drilling mit dieser Line genau nie beat hat. Aber wie siehts bei einem anderen Flop aus. Sagen wir der Flop wäre T 9 3.
Ich glaube selbst dann bin ich hier nahezu immer gut. Die Ausnahme wäre wenn er ein Paar kleiner als 99 in einen Bluff verwandeln würde. Dies sagte ich ihm auch unmittelbar danach. Ich teilte ihm mit, dass ich ihn hier auch mit Bottom Pair gecalled hätte, denn mit dieser Line kann er absolut nichts vernünftiges repräsentieren. Ich erntete einen strengen Blick und Unverständnis.
Ich will gar nicht Anerkennung und Lob, auf dass bin ich überhaupt nicht aus. Mir gehts hier rein um das Gedankengut über das ich verfüge und mit dem ich meine Gegner zu schlagen versuche. Ich irre mich auch hie und da, aber mir gelingt es aus diesen Fehlern zu lernen und diese dann auch nicht mehr zu begehen. Oberstes Ziel ist meinen Stack immer gut in den Pot rein zu bringen, den Rest entscheiden die Karten. Solange ich bis zu diesem Punkt aber die richtigen Entscheidungen getroffen habe, bin und werde ich immer zufrieden mit mir selbst sein.
Bis Bald,
euer onFire
onFire Experience & Report