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Artikel Tagged ‘psychology’

Online Poker Freizeitfresser (by Lisa Schmied)

25. November 2009

Als interessierter User des modernen Internets kann einem ein bestimmter Trend auf keinen Fall entgangen sein. Und zwar nicht etwa der zu den Plattformen facebook, twitter, myspace und Co., sondern der zur allgemeinen Freizeitgestaltung im Web. Die Palette reicht von Spielen und Downloadplattformen bis zu Seiten die ganze TV-Serien online zur Verfügung stellen.

Ein spezielles Angebot ist das des Online-Poker. Schon viele versuchen sich mit ihm einen zusätzlichen Verdienst zu erwirtschaften – sozusagen – aus dem Hobby Geld zu machen. Die Frage, die sich dadurch aufdrängt ist klar: Ist es möglich, dass aus dieser Freizeitbeschäftigung plötzlich ein Freizeitfresser wird der nicht mehr zu stoppen ist? Tatsächlich kann es soweit kommen, dass durch den eigenen Zwang zu gewinnen so viel Zeit ins Pokern investiert werden muss, dass einem ansonsten keinerlei Freizeit mehr bleibt. Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn der Zuverdienst fix ins Haushaltsbudget eingeplant ist und man ohne ihn nicht mehr um die Runden kommt. Dadurch wird die eigentlich als „Freizeit“ eingestufte Zeit nur doch wieder zu Arbeit, die es notwendigerweise zu erledigen gilt. Ein weiterer negativer Nebeneffekt ist, dass durch diese Praxis oft der Spielspaß vollkommen verloren geht.

Als Anfänger ist es daher unbedingt ratsam das Pokern nicht primär als Einnahmequelle zu sehen, ja, es ist sogar eher als potentielle Ausgabe zu betrachten. Man darf gar nicht erst beginnen, sich fix auf Einnahmen aus Online-Poker (hier findet man Pokersoftware) zu verlassen, denn in diesem Fall zieht man früher oder später den Kürzeren. Achtet man aber darauf, dass immer nur Poker gespielt wird, wenn der Spielspaß auch wirklich gegeben ist und dass man den möglichen Gewinn nur als Bonus sieht ist schon ein wichtiger Schritt zum erfolgreichen Pokerspieler getan.

So kann man sowohl die Gefahr finanzieller Probleme als auch die des Freizeitverlusts minimieren und sich frei und offen dem Pokern widmen – was oft auch mit erhöhtem Glück belohnt wird.

guest Diverses ,

Bankrollmanagement & Swings

9. April 2009

Nachdem ich mich nun etwas genauer mit dem Bankrollmanagement befasst habe, schadet es sicher keinem wenn ich mein Wissen hier zusammenfasse.
Oft findet man nur irgendwelche Richtlinien mit welcher Bankroll es empfehlenswert ist auf den diversen Limits oder BuyIns zu spielen – ich gebe hier eine Zusammenfassung und anschliessend noch eine Richtlinie zur Kalkulation einer individuellen Bankroll – ich denke dies ist ein nützlicherer Ansatz, sodass jeder seine Bankroll nach eigenem Ermessen vernünftig gestalten kann.

Richtlinien zum Bankrollmanagement:
Fixed Limit (Full Ring): 300 Big Bets
Fixed Limit (Shorthanded): 600 Big Bets
No Limit (Shortstackstrategie, Full Ring): 150 Big Blinds
No Limit (Bigstackstrategie, Full Ring, Shorthanded): 2500 Big Blinds (= 25 Stacks)
SNG: 50 BuyIns (auf höheren Limits 100BuyIns)

Limitaufstieg: frühestens, wenn man die Bankroll für das höhere Limit erreicht hat
Limitabstieg: spätestens, wenn man die Bankroll für das niedrigere Limit unterschritten hat

Kalkulation der individuellen Bankroll und der Swings:
Hierfür ist es notwendig abzuschätzen mit welchem durchschnittlichen Gewinn man auf einem Limit kalkuliert – um eine Winrate jedoch genau abschätzen zu können sind allerdings 50000 Hände Cashgame oder 2000+ SNGs notwendig (je weniger Hände/SNGs desto ungenauer). Nichtsdestotrotz können sich einige Dinge ableiten lassen:

Beispiel zu Limit-Cashgame:
FL (0.5/1) Fullring – 4 Tabling – 250 Hände je Stunde
Wir gehen davon aus, dass wir das Limit mit einer sehr moderaten Winrate von etwa 2 Big Bets / 100 Hände schlagen (2$ Gewinn je 100 Hände).
Wir nehmen weiter an, dass unsere Sessions jeweils 2 Stunden dauern. Die Einteilung ist willkürlich (man kann auch in Hände einteilen womit die Sessionlängen egal sind).
Ab und zu haben wir eine sehr schlechte Session und verlieren 3 unserer 4 Stacks, also 75$.
D.h. im Schnitt gewinnen wir in einer 2 stündigen Session (500 Hände) 10$, wenn es schlecht läuft, verlieren wir aber in einer Session bis zu 75$.

Während der durchschnittliche Gewinn linear mit der Winrate und der Stundenzahl zunimmt, verhalten sich Schwankungen proportional der Quadratwurzel der Stundenanzahl! (Anm. Statistik, Kalkulation von Varianz und Standardabweichung).

Nun zurück zu unserem Beispiel:
1 Session: durchschn. Gewinn 10$, max. Verlust: 75$ -> worst Case: -65$
9 Sessions: durchschn. Gewinn: 90$, max.Verlust: 225$ -> worst Case: -135$
16 Sessions: durchschn. Gewinn: 160$, max. Verlust: 300$ -> worst Case: -140$
25 Sessions: durchschn. Gewinn: 250$, max. Verlust: 375$ -> worst Case: -125$
36 Sessions: durchschn. Gewinn: 360$, max. Verlust: 450$ -> worst Case: -90$
64 Session: durchschn. Gewinn: 640$, max. Verlust: 600$ -> worst Case: +40$

-> nach etwa 60 Sessions (120 Stunden 4 Tabling) sind wir im Worst Case Breakeven!!!

Ergo: unter den getroffenen Annahmen der eigentlich sehr geringen Winrate von 2PTBB/100 für dieses Limit und doch relativ massiven Downs (Verlieren von 3 Stacks in einer Session) dauert ein Swing maximal 60 Sessions oder 30000 Hände (!!!), diesen sollte man mit einem entsprechendem Bankrollmanagement abfangen können – absolutes Minimum sind die 150$ Swing + 4 BuyIns a 25$ = 250$, weitere 2 BuyIns (50$) Reserve entsprechen in etwa der 300BB Regel – erzielt man im Schnitt höhere Winrates reicht eine kleinere Bankroll, hat man eine höhere Varianz, wie etwa bei Shorthanded, so ist eine grössere Bankroll erforderlich.

Beispiel zu NL-Cashgame:
NL50, 4 Tabling, 200 Hände je Stunde (eigentlich sehr moderat), Shorthanded! 2 Stunden Sessions!
Moderate Winrate von 5 BB/100, als 2.5$ auf 100.  Sehr hohe Volatilität des Gewinns: Totalverlust oder mehr, wir rechnen mit dem Verlust von 4 Stacks je Session (das ist sehr viel, normalerweise sollte man aufhören, wenn man maximal 3 Stacks verloren hat, aber da man ja eventuell an anderen Tischen auch im Minus ist rechnen wir mal mit dem Totalverlust)
-> durchschnittlicher Gewinn je Session: 10$ Gewinn, max. Verlust 200$

1 Session: durchschn. Gewinn 10$, max. Verlust: 200$ -> worst Case: -190$
9 Sessions: durchschn. Gewinn: 90$, max.Verlust: 600$ -> worst Case: -510$
16 Sessions: durchschn. Gewinn: 160$, max. Verlust: 800$ -> worst Case: -640$
25 Sessions: durchschn. Gewinn: 250$, max. Verlust: 1000$ -> worst Case: -750$
36 Sessions: durchschn. Gewinn: 360$, max. Verlust: 1200$ -> worst Case: -940$
64 Sessions: durchschn. Gewinn: 640$, max. Verlust: 1600$ -> worst Case: – 960$
100 Sessions: durchschn. Gewinn: 1000$, max. Verlust: 2000$ -> worst case: – 1000$
225 Sessions: durchschn. Gewinn: 2250$, max. Verlust: 3000$ -> worst case: – 750$
400 Sessions: durchschn. Gewinn: 4000$, max. Verlust: 4000$ -> worst case: -0$ – BREAK EVEN

Schlussfolgerung: bei sehr swingigen Cashgame-Spielen (Shorthanded, Omaha) kann es sehr lange dauern bis man Breakeven ist (in diesem Beispiel 800 Stunden oder 160k Hände bei 4 Tabling / Bankroll Minimum 1000 + 4 BuyIns + Reserve -> 1500$+)
-> man benötigt dafür entweder eine höhere Winrate oder muss die Höhe des Maximalverlusts je Session in Grenzen halten. Wichtiger ist klarerweise den Maximalverlust klein zu halten,  da dieser den grösseren Einfluss hat, die Winrate aber nur linear eingeht, siehe vergleichsweise:

5 Stacks Verlust je Sessions würde bei gleicher Winrate einen Worstcase Breakevenpunkt von 625 Sessions / 1300h / 260k Hände / Bankroll von ~ 2k5 notwendig während 2 Stacks Verlust je Session bei gleicher Winrate einen Worstcase Breakevenpunkt von 100 Sessions / 200h / 40k Hände (eine  Bankroll von 1k ist sicher ausreichend da Gewinnvolatilität absolut <= 250$).

Ergänzende Gedanken zum Bankrollmanagement: Stop-Loss Strategie
adaptiert aus dem Devisen- und Wertpapierhandel

Ziel ist es an einem Tisch einen definierten maximalen Verlust nicht zu überschreiten. Gleiches gilt für eine Session. Wenn man schon Gewinn gemacht hat, so zieht man den Stop nach.

Mike Caro hat natürlich recht, wenn er meint man soll nicht künstlich lange Gewinnphasen generieren. Verlustsessions gehören genauso zum Leben eines Pokerspielers wie die gewünschten, in denen man vorne liegt und es gilt natürlich das oft gehörte Sprichwort: “It is one big session!” Allerdings kann eine solche Strategie dem Tilten vorbeugen, nicht nur aber insbesondere bei unerfahrenen Spielern.

Beispiel:
Ihr spielt einen Tisch und setzt eure Stop-Loss Schwelle auf 2 BuyIns. D.h. in dem einen Fall hört ihr auf falls ihr 2 BuyIns down seit. Falls ihr vorher 3 BuyIns gewinnt, so zieht ihr eure Stop-Loss Schwelle auf +1BuyIn nach, sodass ihr die Session trotzdem im Plus beendet.
Man setzt sich in der Regel Schwellen für einzelne Tische (können manchmal nicht profitabel sein) und auch für Sessions.

Stop -Loss Faustregeln:

NL/PL Holdem CG: 3 BuyIns je Tisch, 5 BuyIns je Session
FL Holdem CG: 50 Big Bets je Tisch oder 100 Big Bets je Session
SNGs: 8 SNGs OOM

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